BERGisch 01-2022

Das neue BERGisch Ausgabe 01-2022 ist erschienen.
Ihr könnt euch es HIER anschauen.

BERGisch 02-2021

Das neue BERGisch 02.2021 steht zum Download bereit (Link)

König Ortler

König Ortler
seit Jahrhunderten zieht der höchste Berg Südtirols Bewohner und Bergsteiger in seinen Bann.

Schon der Beiname des 3905 Meter hohen, versteinerten Riesen zeigt die einzigartige Stellung des Königs der Ostalpen.
Auch uns reizte der Ortler. Wer will sich schließlich nicht mit einem König messen?
So planten wir dann unsere gemeinsame Tour über den Normalweg für Anfang Juli. Wir – das sind Jochen und Fabian – Vater und Sohn.

Nachdem wir uns im Vorjahr auf mehreren Gletschertouren herangetastet hatten, sollte es nun in diesem Jahr der König Ortler sein.
In der Vorbereitung kam uns Manni zur Hilfe.
Einen Tag vor unserer spontanen Abfahrt konnten wir uns in Gummersbach unkompliziert ein paar Steigeisen und einen Eispickel leihen.
Tipps und Ansporn gab es kostenlos obendrauf. Danke dafür an dieser Stelle.

Am Donnerstag, den 02. Juli fuhren wir früh morgens aus Wenden los und erreichten am späten Nachmittag Sulden.
Das Suldental ist vom höchsten Gebirgsmassiv Südtirols umschlossen.
So gibt es keinen Durchgangsverkehr in Sulden und das Dorf ist nicht touristisch überlaufen. Auch ohne Ortlerbesteigung bietet die Umgebung allerlei Sehenswertes.
Das hat auch die Bundeskanzlerin erkannt, die hier schon öfter ihre Sommerurlaube verbrachte.
Auch wir genießen die Wanderwege rund um Sulden und wandern zur Akklimatisierung rauf zur Kälberalm.
Dort treffen wir auf den Hüttenwirt. Da wir an dem Tag die einzigen Gäste sind, kommen wir in ein längeres Gespräch.
Wir sind fasziniert von seinem Leben als ehemaliger Hirte, der 3 Monate im Jahr auf 2250 Metern lebt.
Es sind auch diese Begegnungen, die einen Urlaub in den Bergen besonders machen.
Immer wieder nutzen wir die Gespräche mit Bergsteigern und Anwohnern, um Informationen zur aktuellen Schneelage zu erhalten.
Wir wissen, dass der Berg seit dem 26. Juni gespurt und der Schnee sehr fest und noch weitestgehend spaltenfrei ist.
Eine Tour in Zweierseilschaft ohne Bergführer über den Gletscher des Ortlers stellt eine alpine Herausforderung dar.
Daher war uns beiden klar, dass wir kein unkalkulierbares Risiko eingehen würden. Nur bei niedriger Spaltensturzgefahr, bestem Wetter und guter Verfassung würden wir den Gipfel in Angriff nehmen.

Am Samstag machten wir uns gegen Mittag über den Weg 4 für 1,5 Stunden auf zur Tabarettahütte.
Der dortige Klettersteig mit der Schlüsselstelle Gele Knott ist einer der schwierigsten in ganz Italien.
Mein Vater machte bereits vor Jahren Bekanntschaft mit ihm. Von der Tabarettahütte geht es in Serpentinen durch Wälder, Wiesen, Geröll und Steinfelder.
Auf dem Hinweg kommt mir der Weg wunderschön vor. Auf dem Rückweg sollte ich diesen Gedanken verfluchen.
Nach kurzer Rast auf der Tabarettahütte auf 2556 m geht es weiter durch felsige Wege Richtung Payerhütte, die wir nach einer Stunde und 15 Minuten erreichen.
Wie ein Adler hockt die Julius-Payer-Hütte auf 3029 m auf einem Bergkamm und schmiegt sich mit ihrer grauen Fassade an den Fels des Ortlers.
Frisch gezapftes Bier auf der Sonnenterrasse und ein herrlicher Ausblick über die Berge Tirols wecken in uns die Vorfreude auf den kommenden Morgen.

Abende auf den Berghütten haben etwas Besonderes an sich. Insbesondere die urige Payer-Hütte mit ihrem über 100 Jahre alten Gebälk versprüht ursprünglichen und kernigen Bergsteigercharme.
Nach einem reichhaltigen Abendessen und einigen Gesprächen ziehen wir uns zurück. Dank Corona haben wir ein Viererzimmer für uns zu zweit.
Abends hören wir noch gemütlich Hubert von Goisern und machen unseren Gurt fertig. Mit einem Bier genießen wir still den Sonnenuntergang.
Doch gänzlich unbeschwert ist es nicht. In innerer Einkehr macht sich jeder seine Gedanken und auch Sorgen.
Der Respekt vor König Ortler nimmt zu, je näher die Nachtruhe rückt. Die Nacht ist kurz und zum Frühstück wird es wuselig auf der Hütte.
Die konzentrierte und gespannte Stimmung vor dem Aufbruch ist spürbar. Es geht los. König Ortler bittet zum Tanz.

Um 04:30 brechen wir im Schein des Vollmondes auf in Richtung Gipfel. Hunderte Meter weiter sehen wir die kleinen Lichter der Kopflampen von vorausgehenden Gruppen.
Beim schweigsamen Gang am Fels entlang hört man nichts, außer das helle Klimpern der eigenen Karabiner und Achter am Gurt.
Je weiter wir kommen, desto häufiger beraten wir uns über den Weg. Sich hier zu versteigen kostet nicht nur Zeit, sondern vielmehr auch Kraft, die einem am Ende dann fehlt.

Nach 45 Minuten in angenehmer Kletterei bis zum maximal III Grad erreichen wir das Wandl. Eine durch eine Kette gesicherte Steilwand.
Hier hat man die Wahl zwischen speckigen oder brüchigen Griffen. Langsam aber sicher geht die Sonne auf und taucht den Fels in ein goldgelbes Licht.
Wir genießen den Ausblick und sammeln Eindrücke, die sich in Fotos kaum festhalten lassen. 1,5 Stunden nach dem Aufbruch gelangen wir an den großen Gletscher.
Der Berg verändert ständig sein Gesicht und verlangt vom Bergsteiger, dass er sich sowohl am Fels als auch am Gletscher sicher bewegen kann.
Die Kletterei ist für uns jedoch ab hier vorerst vorbei und damit auch der weniger anstrengende Teil.
Vor dem Gletscher seilen wir uns an. 18 Meter Seil zwischen uns mit mehreren Bremsknoten.
Jeder trägt noch gute 20 Meter Restseil bei sich im Rucksack für eine mögliche Spaltenbergung. Selbstrettung, lose Rolle und Gardaklemme haben wir in den letzten Wochen häufig geübt.
Doch was ist schon Üben gegen die harte Realität eines bis zu 40 Grad steilen Gletschers.

Auf dem weitläufigen Gletscherplateau werden die Beine immer schwerer. Schlappseil lässt sich nicht mehr vermeiden.
Die Sonne brennt und trotz Sonnencreme und Halstuch merke ich, wie mir der Stern auf die Pelle scheint.
Ich stelle fest, dass ich zu warm angezogen bin. Die Suppe tropft mir in die Gletscherbrille, sodass ich nur noch schwer sehen kann. Die Pausen werden häufiger und länger.
Jedes Mal, wenn ich beim gesenkten Blick sehe, wie sich das Seil wieder strafft, wird mir bitterlich klar, dass mein Vater wieder losgeht und die Pause schon wieder vorbei ist.
Wie eine niederschlesische Bergziege zieht er mich mit seinen 67 Jahren durch das schier unendliche Weiß. Meine Füße schmerzen und im Wechsel sind meine Waden und Oberschenkel entweder steinhart oder weich wie Pudding.
Ich habe Durst und merke, dass ein Liter Wasser für den Weg deutlich zu wenig war. Weit kann es aber nicht mehr sein, denn immer häufiger kommen uns nun Grüppchen von oben entgegen.
Nach 3 Stunden und 40 Minuten ist der Gipfel dann endlich erreicht. Ein paar Schnappschüsse und Blicke in die Weite später, sichern wir unsere Rucksäcke und setzen uns geschafft in die Nähe des Kreuzes.
Natürlich sind wir nicht alleine auf dem schmalen Gipfelgrat und so ganz will die Anspannung hier nicht fallen. Für gewöhnlich genießen wir Berggipfel ausgiebig und bleiben auch gerne länger, aber auf dem Ortler weht ein eisiger Wind bei unter 0 Grad.
Haben die Finger zuvor noch in den Gletscherhandschuhen geschwommen sind sie hier oben schnell bitter kalt. Wir nehmen etwas Proviant zu uns und brechen zügig wieder auf.
Soll das der Höhepunkt gewesen sein? War das jetzt der Anstrengung wert?  Wir gehen circa 50 Meter den Gipfel hinab. Ich rufe meinem Vater zu, er möge warten.
Diese 50 entspannten Meter, fernab vom belebten Gipfel lassen in uns beiden die gesamte Anspannung des Tages schwinden. Wir fallen uns in die Arme und drücken uns lange.
Nun fühlen wir uns gelöst Wir schauen uns um und sind euphorisiert von der Landschaft, von unserer Leistung und von dem gemeinsamen Erlebnis.
Das, was wir auf dem Gipfel noch nicht realisierten, bricht nun aus uns heraus. Ich atme tief ein und mir fällt kein anderer Begriff zur Beschreibung ein als pure Glückseligkeit.
Als wir weitergehen und endlich andere Muskelpartien beansprucht werden, rufe ich meinem Vater noch zu, dass ich so nun locker 4-5 Stunden weitergehen könnte.
Eine halbe Stunde später bereue ich diese Worte. Der Schnee ist pampiger geworden und macht das Gehen schwer, zudem riskieren andere Seilschaften ohne Steigeisen die anderen Gruppen, da sie immer wieder wegrutschen.
Der Weg zurück zieht sich und schnell ist man wieder im Durchhaltemodus. Schritt für Schritt geht es weiter. Langsam wird mir klar, dass der Abstieg insgesamt wohl so 7 Stunden dauern wird.
Am besten denkt man einfach nicht drüber nach. Je nach Schneelage ist es notwendig, dass man sich an mehreren Stellen abseilt.
An diesen Punkten kommt es regelmäßig zu Staus. Es sind sogar Menschen am Berg, die sich das erste mal in ihrem Leben abseilen (lassen).
Nach insgesamt 4 Stunden kommen wir wieder an der Payerhütte an. Wir senden erste Lebenszeichen in Richtung Sauerland und holen unseren Flüssigkeitsmangel wieder auf.
Beim Abstieg von der Payerhütte muss ich die Zähne zusammenbeißen. Blasen an den Füßen, Sonnenbrand, Zitternde Muskeln und Schmerzen im Rücken lassen mich daran zweifeln wie in Gottes Namen ich den Hinweg nur als landschaftlich schön empfinden konnte.
Mein Vater geht vor mir, da er meinen schmerzverzogenen Gang nicht mehr von hinten sehen könne. Nach fast 12 Stunden reiner Gehzeit erreichen wir den Suldener Ortskern.
Noch nie habe ich eine abendliche Dusche so genossen und ich muss lange nachdenken, wann ich das letzte Mal in meinem Leben 13 Stunden am Stück geschlafen habe.
Die Anschlusstage verbringen wir im örtlichen Museum und den Gaststuben. Insbesondere die Geschichte des Ortler ist fesselnd und mit vielen schillernden Namen des Alpinismus verbunden.
Ein Besuch der örtlichen Museen lohnt sich. Es ist mir reichlich egal, dass ich am Folgetag wegen der Blasen mit Hausschuhen durch den Ort streife. Ich habe dem König getrotzt.
Besiegt wurde er von uns sicher nicht. Einen König Ortler besiegt man nicht, nur weil man ihn einmal bestiegen hat. Der Respekt vor dem Berg ist sogar noch größer geworden.
Aber auch der vor mir und der gegenüber meinem alten Herrn, der am Folgetag deutlich weniger jammert als ich es tue.
Wenige Tage später geht es für mich auf den Jakobsweg, während mein Vater für August eine Tour auf den Similaun plant.
Beides haben wir dann auch erfolgreich hinter uns gebracht und auch die nächsten Gipfel sind schon in Sicht.

Berliner Höhenweg

Erfahrungsbericht von Liane und Sissi
(l/s) Ich darf mich vorstellen, ich bin Liane, die Neue! Also wirklich ein Neuling, was Hütten Touren angehen, na ja, ich als unerfahrene habe mich auch gleich für den Berliner Höhenweg entschlossen! Unsere Truppe: Sissi, Moni, Ulli, Karsten, Michael, Rainer, Ich und natürlich unser Manni.
Leider gab es schon vor der Reise aus diversen Gründen einige Ausfälle: Christine, Peter, Reinhard und Dany.. Seeeehr Schaaade !

1.Tag: Zur Anreise Richtung Zillertal/Mayrhofen mussten alle sehr früh los (Sissi sogar um 03 Uhr), damit wir zum ersten Bierchen um 16 Uhr pünktlich da sind. Karsten und Ich haben es gerade so geschafft, 15:30 Uhr waren wir am Hotel Siegler Hof. Um 16:00 Uhr war Treffen, Manni hat uns dann nochmal die Tour und einzelnen Etappen detailliert erläutert (Schluck
und der Schluck war ohne Bier 😉😉), danach sind wir zum Essen losgezogen, dank Christine haben wir gemütlich und lecker gegessen.

2.Tag: Es geht los, Ziel ist die Karl-von-Edel Hütte, 2238m, von dort dann zur Ahornspitze und zurück zur Hütte. Nachdem wir alle lecker gefrühstückt haben ging es auch schon los. Wir sind mit der Seilbahn von Mayrhofen auf 1995m gegondelt, von dort sind wir dann den steilen Aufstieg zur Hütte gewandert. Der erste Wandertag! Nach einer Pause zum Verschnaufen an der Hütte haben wir uns dann nur mit Notrucksäcken auf dem Weg zur Ahornspitze gemacht. Da Manni wusste, was uns am nächsten Tag erwarten wird und das Wetter umgeschlagen ist, sind wir nur bis zum Grad gewandert und nicht zur Spitze hochgeklettert, so konnten wir mit der dünnen Luft anfreunden und haben die schöne Aussicht genossen….naja Manni hat uns schon mal den Weg für morgen schmackhaft gemacht 😊😊

3.Tag: Ziel ist die 13km entfernte Kasseler Hütte,2177m, über den „gefürchteten“ Siebenschneidenweg oder auch Aschaffenburger Höhenweg. Meine erste Nacht in einer Hütte war schon ungewohnt und so gut wie gar nicht geschlafen…wer einen leichten schlaf hat, rate ich von ab… kaum geschlafen, übermüdet und das Frühstück um 6:30 Uhr reingestopft (kann so früh nichts essen) ging der Tag natürlich „perfekt“ los. Kurz nach dem wir gestartet sind, mussten wir uns im ersten Abschnitts mit einem Seil hochzuziehen (ich fand es toll). Nachdem wir alle oben angekommen sind, hat man schon die Geröllfelder gesehen, soweit das Auge reicht. Man sprang eigentlich von einem Stein zum anderen und wenn du dachtest es geht nicht schlimmer, wurde es immer wieder getoppt… Es war sehr viel Konzentration gefragt, über Stunden. Und Einfallsreichtum beim Klettern über das Geröll ( als Opfer musste eine Sonnenbrille herhalten ☹ ) Manni hat nicht zu viel versprochen, ehrlich gesagt war es für mich dann doch der Horror. Ich hatte zwar Mannis Erklärungen etc. mehrfach gelauscht, aber insgeheimen gedacht – so wird es wohl nicht werden. Aber – das habe ich jetzt lernen müssen, man sollte doch dem Manni glauben – er war ja auch schon mal da gewesen. Also es hat einfach kein Ende genommen, als man die Kasseler Hütte gesehen hatte, dachte man eigentlich soweit kann das gar nicht mehr sein, aber die Berge können einen verdammt täuschen und wie es kommen musste, fing es an zu regnen und Manni trieb uns weiter an. Er wollte , bevor der Regen schlimmer wurde, unbedingt die Hütte erreichen. …….Aber wir sind alle Heile und fast trocken angekommen…Unsere Zeit 7 ½ Std reine Gehzeit

4.Tag: Tagesziel: Greizer Hütte, 2277m
Am andren Morgen, es war schwer aus dem Bett zu kommen. Die Hütte wirklich berstend voll Der Tag davor hat seine Spuren hinterlassen, bei Karsten und mir mehr, bei den anderen weniger. Da es am Anfang gegenüber dem gestrigen Tag nahezu gemütlich und fast eben losging, fasste ich neuen Mut. Die Tour zur Greizer Hütte war zunächst eine entspannte Tour…ein kleines Schneefeld war auch dabei. Dann, nach der langen Umrundung des Talkessels kam noch ein Anstieg, rund 600hm. Diesmal hatte ich mit dem Anstieg zu kämpfen, ich hatte das Gefühl umzukippen, mir wurde schlecht, war am ganzen Körper am Zittern…aber dank der tollen Truppe, die mir Mut zugesprochen haben,…ging es doch wieder. Auf der Scharte angekommen, zeigte uns Manni den Anstieg für morgen – den Aufstieg in die Mörchenscharte – 1000m steil hoch. Er hatte nicht gelogen, aber jetzt direkt vor uns und mit den Tagesetappen hinter uns erschien es mir unüberwindlich. Auf
dem letzten Stück zur Hütte hat uns schon ein Hubschrauber der Polizei umkreist, der dann vor der Hütte gelandet ist. . An der Hütte haben wir dann erfahren, dass ein
Kletterer abgestürzt ist und dort Zeugen befragt wurden. Mit Regen ist in den Bergen nicht zu spaßen!

Karsten und ich waren nach den 3 Tagen schon sehr erschöpft und wir haben noch ein paar anstrengende Tage vor uns. Karsten und Ich haben dann beschlossen, die Tour abzukürzen. Am nächsten Tag sollte es zur Berliner Hütte gehen, die wollten wir uns noch  anschauen. Also hatte Manni einen Plan für den nächsten Tag für uns. …. to be continued
Tja, Fortsetzung …wie ging es weiter?

Da Karsten und Liane sich am Abend auf der Greizer Hütte für Plan B entschieden hatten, wurde ich, Sissi, nun für die weitere Berichterstattung erwählt 😉 Für mich war es in diesem Jahr die 3. Hüttentour in Folge 🙂 und ich nehme an dieser Stelle bereits vorweg, dass ich wieder einmal keinen einzigen Schritt auf dieser Tour missen möchte. Die Zillertaler Alpen-Landschaft die wir gemeinsam durchquert bzw. durchwandert haben, war so vielfältig und abwechslungsreich, dass ich sowohl während des Tages als auch allabendlich auf’ s Neue über die jeweilige zurückgelegte Strecke gestaunt habe. Einfach pures Glück, mich entschädigte das sich stets verändernde, prächtige Bergpanorama für die Strapazen und Mühen so mancher hm’s. Genau so mag ich es, und die Anderen mit mir! …, oder?

So auch am Tag 5 auf dem Weg von der Greizer zur Berliner Hütte – die wollten wir ja alle soooo gerne sehen, da sie ja soooo einzigartig und besonders sein sollte. Wir knipsten nach einem guten Frühstück vor der Hütte noch ein Gruppenbild, wünschten aneinander 2:6 einen schönen Wandertag und freuten uns auf das Wiedersehen am Nachmittag. Jetzt waren wir nur noch 6 Wandersleut’, die frohgemut bei schönen Wetter auf dem BHW weiter in Richtung “gefürchtete” Mörchenscharte starteten. Erst ordentlich abwärts, galt es alsbald zunächst eine mehrere Meter senkrecht aufragende Leiter nacheinander zu erklimmen sowie anschließend auf direktem Weg immer weiter steil, sehr steil aufwärts am Übergang dann mittels einiger Seilversicherungen diese Scharte zu überwinden. Nach Pause auf der Scharte geht es weiter Richtung Schwarzsee, den wir sodann in schönstes Sonnenlicht getaucht malerisch unter uns gelegenen erblicken. Dort angelangt stürzen sich zwei von uns wagemutig hinein in diesen klaren, klirrend kalten Bergsee, hingegen Manni seine schmerzenden Knie darin hervorragend kühlen tat :-). Absolut herrlich erfrischend nach dem schweißtreibenden Aufstieg. Wir verweilen mit Muße und genießen  en Sommertag. Auf dem weiteren Weg zur Berliner Hütte wandern wir 3 Mad’l (Moni, Ulli, ich) in genussvollerem Tempo hinter den 3 Mannen Manni, Reiner, Michael) abwärts, wir fühlen uns aufgrund von Vegetation und Düften fast in den Süden versetzt – wunderbarer, besonderer Weg. Dann stehen wir davor und sind sehr, sehr beeindruckt
von dieser einzigartigen, großen, denkmalgeschützten Hütte, die dort vor einem nicht minder prächtigen Berg- u. Gletscherpanorama erbaut wurde.

Wir alle, auch Liane und Karsten, die bereits auf “ihrem” Weg hier eingetroffen sind, genießen das besonderes Ambiente. Dann lassen wir den Tag zunächst mit leckerem Abendessen, serviert im Damensalon, und später bei dem ein oder anderen Bier auf der großen Terrasse gemütlich ausklingen. Super Tag!
Exkurs: Auf einem so viel begangenen Höhenweg wie diesem gibt es außer unserer natürlich auch weitere kleine oder größere Wandergruppen, denen wir während all der Tage stetig auf den Etappen und den Hütten begegnen. Mal sind die Einen vorweg, mal die Anderen und auch bei anderen Gruppen gibt es “Ausfälle” wie sich im Austausch am Abend oder über Tage erfahren lässt.
Tag 6: Am Morgen verabschieden sich Liane und Karsten für die restlichen Etappen, sie wollen bis zur Rückfahrt ab Achensee am Sonntag etwas geruhsamer, kräfteschonender in der Nähe wandern. Für uns Anderen 6e ist`s auch am Ende diesen Tages ein unvergessliches Erlebnis mehr, denn wir haben auf dem weiteren Weg Richtung Furtschaglhaus eine Kernetappe (die Königsetappe?!) in hochalpinen Gelände in uns hinein und durch uns hindurch erkraxelt. Etliche Stunden im Aufstieg zum Schönbichler Horn sind wir unterwegs. Zunächst auf schmalen Pfaden, motiviert und gut unterhalten durch andere Mitwanderer, die uns als “fröhliche Gruppe” (ha, sind wir doch Rheinländer) küren, wird es Richtung Gipfel zunehmend gefährlich brökelig. Ehrfurcht! Geht das, da
hoch, in diesem Blockgelände? Teils seilversichert, Stöcke braucht’s hier weniger eher alle viere, den ein od. anderen guten Tipp von Manni und wir alle kommen wohlbehalten nach schöner Kletterei hoch oben auf 3134m Schönbichler Horn an. Megageiles 360° Panorama, Fotos, Gruppenfoto & natürlich Gipfelbucheintrag – wir erfreuen uns in Gemeinschaft mit wenigen anderen Gipfelerstürmern an diesem herrlichen HÖHEPUNKT, kosten die Pause und den Augenblick aus :-). Wo’ s hoch geht, geht’s auch wieder runter, das plagt unseren Manni und seine Knie heute mehr als arg, da hilft’s ein Alt-Schneefeld abseits des Weges wenigstens für einen Teil des langen Abstiegs zu nutzen. Dann sind wir da, doch der Empfang vom Hüttenwirt hätte für Manni freundlicher sein dürfen ;-( hat er
doch hart gekämpft für uns an diesem Tag! Es gibt eine Runde Schnapserl, so früh, warum? … er verkündet, morgen soll’s für uns ohne ihn & Moni die letzten beiden Etappen auf eigene Verantwortung weitergehen. Da wären’ s nur noch VIER! Es fällt sichtlich schwer, doch Gesundheit & Eigenverantwortung geht vor, er traut’ s uns zu, drum soll’ s so sein.

Anderntags machten sich dann “vier kleine (Wander-)Negerlein” nach herzlichem Abschied – mit bisschen Pippi in den Augen- ohne den geschätzten Bergführer und seine Moni auf die nächste Etappe. Ziel heute: die Friesenberghütte und anders als die Tage zuvor, ging’s nahezu als “Ruhetag” durch. Abwärts Richtung Schlegeis-Stausee, dann gemütlich auf bequemen Weg am Ufer desselben entlang, machten wir an seinem anderen Ende vor der Dominikushütte eine kurzweilige Verschnauf- u. Verzehrpause. Ausgestattet mit Manni’ s Kartenmaterial und vielen seiner bereits tief verinnerlichten Wander-Tipp’ s im Ohr (er war also doch bei uns!) schafften wir den weniger begangenen direkten Aufstieg zum Friesenberghaus mit einigen kleinen, weiteren Päuschen in guter
Gehzeit. Er hätte seine Freude an uns gehabt 😉 Oben angekommen, herrliche Aussicht rundum – Friesenbergsee, Tuxer-Ferner-Haus, – verzehrten wir köstlichen Kaiserschmarrn und begrüßten die von der Olpererhütte herankommenden, anderen Wandergruppen. Dann Wetterumschwung, ab nach drinnen in die gute Stube, da entdeckte und besetzte ich den “Sektionsstuhl Gummersbach”, es wurde spielerisch gemütlich bis zum Abendessen. Krönender Abschluss diesen Tages: die unterhaltsamste Wettervorhersage für den kommenden Tag vom Hüttenwirt, gefolgt von einer großartigen, perfekten Hüttengaudi. Bernd aus Chemnitz brachte mit Gitarre & einem breiten Liederrepertoire die gesamte Hüttengemeinschaft zum ausgelassenen Mitsingen, -schunkeln, -feiern ” griechischer Wein, komm’ schenk mir ein, la la la la la, … träume von daheim, la la la la, …Sehnsucht wieder” (hey, da haben wir extra kräftig für Reinhard & alle Daheimgebliebenen mitgesungen) -> GUTE NACHT!
Die vorletzte Etappe zur Gamshütte, so war’s geplant – da waren auch wir VIER dann raus. Es wäre eine nochmals seeeehr lange Tagesetappe geworden, das Wetter sollte bis zum Nachmittag noch sonnig & stabil bleiben, es fühlte sich dennoch nach Abschied vom hochalpinen Gelände an und so entschieden wir uns einvernehmlich für den Abstieg Richtung Gasthaus Breitlahner um von dort per Bus wieder nach Mayrhofen zu gelangen. Der Abstieg hatte es auf seine Weise in sich, war sehr abwechslungsreich, da wir durch die unterschiedlichen Höhen- und Vegetationslagen hindurch hinunter wanderten. Weiter oben gönnten wir uns noch chillige Verweilpausen um dann auf den steil abwärts schlängelnden, teils unübersichtlichen Pfaden durch dickichthaften Wald unsere Knie nochmal so richtig herauszufordern. Geschafft, wir VIER, waren froh und zufrieden, als wir im Gasthaus auf ein kühles Bier & die gelungene Tour einkehrten. Per Bustransfer ging’ s dann zurück nach Mayrhofen. Manni & Moni hatten es sich ab Furtschaglhaus dort schon “Wellness-haft” gut gehen lassen 🙂
Liane & Karsten hatten sich mehrere schöne Tage in Hintertux gemacht. Wiedervereint versammelte sich unsere “komplette” Mannschaft abends im Ort zu lecker Essen & Bierchen & klönen von den Erlebnissen.


Das ENDE vom Ende dieser Tour kam erst tags drauf. Ab Mayrhofen ging’s gegen Mittag Richtung Maurach am Achensee, hier war die letzte Übernachtung für uns bereits vorgebucht. Im Kontrast zu den hinter uns liegenden alpinen Wanderetappen, spazierten wir nun bei schönstem Sommerwetter ganz gemütlich am See entlang. Entspannung zum Abschied gehört auch dabei 😉
Abschließend sage ich DANKE an euch alle, die mit mir auf einer wieder besonderen Bergtour unterwegs ward; besonders an Manni der seine Touren auf’ s Beste plant, vorbereitet, ausschreibt und einmal unterwegs dann auch für Zu-/Aus-/Notfälle etc. neue Pläne, Vorschläge, Hilfestellung möglich macht.

Dolomiten – Zu den drei Zinnen

Die Berge sind etwas Wunderbares. Man entdeckt immer wieder etwas Neues, jede Gebirgsgruppe hat etwas Besonderes. Die Gesteine, die Formationen, die Flora sind unterschiedlich und vermitteln entsprechend andere Stimmungen. Man kann sie erklettern, mit dem MTB befahren oder erwandern. Ich persönlich empfinde eine Wanderung am interessantesten, man erlebt verschiedene Wettersituationen hautnah, die Lichtverhältnisse wechseln häufig, die Gerüche der Natur ob Wald, Blumen oder Moose sind unterschiedlich. Alles zusammen hat eine beruhigende, wohltuende und
neugierig machende Wirkung auf mich. Am stärksten sind die Eindrücke, wenn man nicht nur eine Tages- sondern eine längere Mehrtagestour macht. Man ist der Welt im Tal ein wenig entrückt, der Abstieg in die „Zivilisation“ mit ihren Geräuschen und Gerüchen fällt dann richtig schwer…obwohl das muss eingeschränkt werden in Bezug auf das Hüttenleben.


Für Juni habe ich mich zu einer Tour in die Dolomiten angemeldet, mein Lieblingsgebirge schlechthin. Ziel war die Cadini Gruppe und die 3 Zinnen. Wir, das sind Manfred, Monika, Indra, Christine, Jürgen und ich, starteten am Misurinasee. Wir nahmen die „Diretissima“ und nicht den Forstweg, so dass wir gleich auf Betriebstemperatur waren.
Ein Radler auf dem Rif. Col de Varda kühlte uns wieder ab und wir setzten unseren Weg fort. Er war sehr schön zwischen Latschen gelegen und bot tollste Aussichten auf die Cristallogruppe, Antelao und Sorapis. Aber er barg auch Gefahren, besonders für Sonnenbrillen. An unserem Tagesziel
angelangt, wurde genau eine solche vermisst. Sie war auf der Kappe abgesetzt und vermutlich in den Latschen hängengeblieben. Was tun? Da gab es für Manni keine Frage, er ging zurück auf die Suche (eine zusätzl. Trainingseinheit) und brachte tatsächlich die Brille wohlbehalten zurück. Super!

Doch man ist vor Überraschungen nie sicher, zeigte sich hinter der nächsten Kehre doch
ein „ungemütliches“ Altschneefeld über einer abschüssigen Rinne. Jetzt wußten wir auch,
weshalb Manni einen Eispickel am Rucksack hatte! Unsere Hütte war klein, gemütlich, die
Hüttenwirte kredenzten Spaghetti, Polenta… typisch italienisch halt, lecker! Der nächste
Tag drohte mit Regen und schlechter Sicht. Der Weg sollte über eine exponierte
Steigtrasse, nicht ganz unschwierig, und sichtbaren Altschneefeldern gehen. Wie
entschieden uns auf Grund der Wetterlage für eine direktere Variante über die Forc. De La
Neve zur Fonda Savio Hütte. Der Weg führte uns mitten durch die Felstürme, die die
Cadini Gruppe charakterisieren. Wie Haifischzähne reihen sich Felsspitzen, Felszacken
aneinander. Sie ist wild und urig. Unser Steig ging über Leitern, seilversicherte Passagen,
abgerutsche Wegstücke und ein großes „Ewigschneesfeld durch das Felslabyrinth zur
Fonda Savio Hütte. Ob wir wirklich den vermeintlich leichteren Weg erwischt haben bleibt
dahingestellt, aber er war super interessant und auch spannend. Einfach schön! Auf der
Hütte wurden wir abends versorgt wie in einem Restaurant. 3-Gang Menue, Hauptspeise
Ossobuco. Mmmh, lecker.

Für den nächsten Tag war wieder Sonne vorhergesagt, beste Bedingungen für den
„Sentiero Bonacossa“ ein leichter Klettersteig. Früh morgens ging es los. Für diese Etappe
hatte Manni vorgesorgt, es gab superleichte Klettergurte für unsere Sicherheit. Nach
anfänglichen Schwierigkeiten, wie steig ich dahinein, wofür ist das, wie muß ich das
einhängen, waren wir gerüstet. Der Weg schlängelte sich eng an den Felsen vorbei, mit
ordentlich Luft unter den Füßen, aber allerbester Aussicht auf die Cadini Gruppe. Dann
gab es noch eine kurze Leiter zu erklimmen und der Weg setzte sich fort, noch ein paar
Kehren und schon sahen wir den Ausstieg.

Als Stütze ins Schneefeld gerammt entschärfte es die Stelle ungemein und wir kamen alle
sicher auf die andere Seite. Nun änderte sich der Charakter der Wanderung. Aus der
wilden, eher einsamen Cadini Gruppe näherten wir uns jetzt der Auronzo Hütte an den
drei Zinnen. Der Anziehungspunkt schlechthin, mit Auto, Bus, Fahrrad usw. gut zu
erreichen. Man muß sie mal gesehen haben, diese toll geformten Felstürme.
Unser Weiterweg führte uns am nächsten Tag an den 3 Zinnen vorbei, wo einige
Seilschaften zu beobachten waren, Richtung Büllelejoch Hütte. Wir machten eine kurze
Pause und stärkten uns mit einem leckeren Kaiserschmarren und genossen das Panorama.
Das Gelände ist viel offener, weitläufiger und von einzelnen Felssformationen geprägt. Wir
gingen am Paternkofel vorbei, bestaunten die drei Zinnen noch von ihrer fotogensten
Seite und machten uns auf den langen Abstieg Richtung Talschlusshütte, 1150m bergab.
Am Donnerstag folgte der Übergang zur Dreischusterhütte durch das Fischleintal mit
seinen wunderschönen Blumenwiesen über den 2065m hohen Innergsell oberhalb von
Sexten ins Innerfeldtal. Wir konnten uns etwas Zeit lassen und die schönen Ausblicke
Richtung Karnische Alpen genießen und in den Blumenwiesen dösen.
Unser letzter Wandertag hielt noch eine Überraschung bereit. Geplant war den Weg über
die Birkenschartl an den Toblacher See zu nehmen. Aber am Abzweig angekommen, war
der Weg wegen Felssturz gesperrt. Als Alternative bot sich die Lückele Scharte an, gut das
das Gelände mehrere Möglichkeiten bot. Aber auch dieser Übergang war wegen eines
Felssturzes gesperrt, so dass wir letztlich über das Wildgrabenjoch (der Name war
Programm) zum Dürrensee abstiegen.

Danke für dieses schöne Erlebnis!

Ein Bericht von Daniela Tobeck-Weng